Offener Brief an die Bundestagspräsidentin
Sehr geehrte Frau Bundestagspräsidentin Klöckner,
seit mittlerweile fast einem halben Jahrhundert leidet die iranische Gesellschaft unter der Herrschaft der Mullahs. Infolge dieser politischen Situation haben viele Menschen, darunter auch wir als iranischstämmige Ärzte, Wissenschaftler, Apotheker, Psychotherapeuten, medizinische Fachkräfte und Akademiker, eine Zukunftsperspektive im Ausland gesucht. Wir verstehen uns als feste Bestandteile der demokratischen Gesellschaften, in denen wir heute leben, und nehmen unsere Verantwortung sowie unsere soziale Solidarität ernst. Aus dieser Haltung heraus widmen wir uns insbesondere der medizinischen Versorgung unserer Mitmenschen.
Seit Jahren gehen Menschen im Iran in unterschiedlichen zeitlichen Abständen auf die Straße und bringen ihre Unzufriedenheit mit dem herrschenden System zum Ausdruck. Über Jahrzehnte hinweg haben Korruption, Ungerechtigkeit, die Unterdrückung von Frauen sowie das Fehlen von Freiheit und demokratischer Teilhabe das Land geprägt. Die Folgen dieses Systems beschränken sich nicht allein auf das Leid der iranischen Bevölkerung, sondern wirken sich auch über die Landesgrenzen hinaus aus – etwa durch regionale Instabilität, sicherheitspolitische Spannungen und den Einfluss extremistischer Strömungen.
Die Menschen im Iran bringen klar und unmissverständlich zum Ausdruck, dass sie sich nach Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und demokratischen Strukturen sehnen. Ein Teil der iranischen Gesellschaft – sowohl im Land als auch in der Diaspora – sieht in Prinz Reza Pahlavi eine mögliche politische Figur für einen zukünftigen Übergangsprozess. Zugleich ist die iranische Gesellschaft vielfältig, jung und gut ausgebildet und strebt nach einem säkularen Staat sowie nach demokratischer Selbstbestimmung.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll – auch im europäischen Interesse –, die Zivilgesellschaft im Iran in ihrem Streben nach Reformen, Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Entwicklung zu unterstützen. Ein stabiler und friedlicher Iran könnte langfristig einen konstruktiven Beitrag zur regionalen Stabilität leisten und ein verlässlicher Partner für Europa werden.
Die iranische Gesellschaft sowie wir als iranischstämmige Mitbürger wünschen uns daher eine verstärkte Unterstützung der demokratischen Bestrebungen im Iran sowie eine differenzierte und faktenbasierte Auseinandersetzung mit der politischen Lage vor Ort. Dies stellt zugleich eine wichtige Chance für Europa und Deutschland dar, im Sinne von Frieden, Stabilität und Menschenrechten Verantwortung zu übernehmen.
Prinz Reza Pahlavi hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt für demokratische Prinzipien, die Gleichberechtigung aller Bürger sowie für friedliche internationale Beziehungen ausgesprochen. Vor diesem Hintergrund möchten wir Sie bitten zu prüfen, ob ein Dialog mit unterschiedlichen Vertretern der iranischen Opposition – einschließlich Prinz Reza Pahlavi – im parlamentarischen Rahmen möglich ist, um sich ein umfassendes Bild der verschiedenen politischen Perspektiven zu verschaffen.
Mit freundlichen Grüßen
Patriotic Doctors of Iran (PDI)
